Cuba - Hausbau mit alternativen Baustoffen in der Provinz Villa Clara

Projektlaufzeit: -
Die Devisenknappheit führt in Cuba zu einem ausgeprägten Mangel an konventionellen Baustoffen. So war und ist z.B. Portlandzement ein seltenes und teures Gut, das nur unter großen Schwierigkeiten zu erhalten ist. Diese Knappheit an Baustoffen hat unmittelbare und schwerwiegende Konsequenzen für die Bevölkerung Cubas.
Karte von Cuba mit den Projektstandorten Santa Clara, Sagua la Grande und Caibarién
Bau und Renovierungsarbeiten sind kaum bezahlbar. Häuser und Wohnungen verfallen, begonnene Baumaßnahmen können nicht fertiggestellt werden. Die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen verschlechtern sich dadurch zusehends. Die Antwort auf diese schwierige Situation ist die Entwicklung lokal verfügbarer und mit geringem Kapital- und Energieeinsatz herstellbarer Baustoffe.
Projektstandorte werden Santa Clara, Sagua la Grande und Caibarién sein.

Wohnen darf kein Luxus sein
Alternative Baustoffe anstatt Devisen- und Energieverschwendung

Die Verwendung lokal verfügbarer Rohstoffe, die mit geringem Energieaufwand produziert werden können, ist nicht nur billig, sondern auch ökologisch sinnvoll. Teure und energieverschwendende Transporte werden unnötig, eine Umweltbelastung durch hohen Energieeinsatz, wie z.B. bei der Herstellung von Portlandzement, wird verhindert. Die Alternativen zu den üblichen Baustoffen sind neuartige Kalksandsteine und Kalk-Puzolana-Zement. Beide Produkte haben den Vorteil, dass sie dort produziert werden können, wo der Bedarf entsteht. Zusätzlich kommt die Produktion ohne hohen Kapitaleinsatz aus und ist daher an vielen Standorten einsetzbar. Ein weiterer Vorteil ist, dass für die Herstellung der Kalksandsteine wie auch des Alternativ-Zementes Abfallstoffe (z.B. Keramik-Abfälle, Abfälle aus Zuckerfabriken) verwendet werden können. Dieses Verfahren wurden an der Universität in Santa Clara entwickelt. Die herkömmliche Technologie zur Herstellung von Kalksandsteinen erfordert dagegen hohe Investitionen und einen großen Energieaufwand.

Woher kommen die Baumaterialien?

Die verwendeten Baustoffe werden lokal gefertigt und an die Bevölkerung verkauft. Neben den Kalksandsteinen, wird Alternativzement (Puzzolana) produziert, mit dem Hohlblocksteine und seit Test von Spannbetonsparrenneuestem Spannbetondachsparren hergestellt werden. Die Entwicklung der Dachsparren war notwendig geworden, weil Holz auf Cuba teuer und selten ist.Kleine Werkstätten, die weitgehend autonom arbeiten, stellen Leichtbeton-Dachziegel her. Diese Technik wird seit 15 Jahren mit Erfolg angewendet und auch durch ein Werkhof-Projekt unterstützt. Gleiches gilt für die lokale Kalkproduktion, die von der lokalen Partnerorganisation CIDEM/EcoSur mit Hilfe des Werkhof e.V. aufgebaut wurde. Die Produktion der Kalksandsteine wird in zwei Pilotwerkstätten erfolgen, die mit Mitteln der Europäischen Union eingerichtet werden. Mit Hilfe der im Projekt produzierten Baustoffe können die Engpässe auf dem Baumaterialienmarkt, die seit der Energiekrise 1991 bestehen, umgangen werden.

Wie funktioniert die Produktion von alternativen Kalksandsteinen?

Brennbare Abfälle, vor allem aus Zuckerfabriken, werden von Hand in Blocks gepresst und als Brennmaterial eingesetzt, um Kalk zu brennen und um Dampf für die Aushärtung der Kalksandsteine zu erzeugen. Die Asche ist einer der Rohstoffe für den Alternativzement, mit dem nun die Kalksandsteine gepresst werden. Konventionell erzeugte Kalksandsteine werden unter hohem Druck mit Dampf erhärtet. Die neue Technologie wird ohne die aufwendigen Druckkammern auskommen. Dank einer neuartigen Dosierung der verschiedenen Rohmaterialien und dem Zusatz von Puzzolana (Aschen) wird eine hohe Unabhängigkeit von nicht erneuerbaren Energieträgern erreicht. Überdies kosten die Produktionsanlagen nur noch einen Bruchteil der üblichen Investitionen.

Selbstorganisation als Gegenkonzept zur Mangelwirtschaft

Im Verlauf des Vorhabens sollen 1.000 Häuser und Wohnungen in den Städten Sagua la Grande und Caibarién in der Provinz Villa Clara renoviert oder fertiggestellt werden. Mehr als 80% der Cubaner sind Eigentümer ihrer Wohnung oder ihres Hauses. Deshalb werden die Renovierungs und Baumaßnahmen durch die jeweiligen Eigentümer weitgehend in Selbst- oder Nachbarschaftshilfe durchgeführt. Da staatliche Baubrigaden kaum verfügbar sind und private Handwerker oft überteuerte Preise fordern, ist die Selbstorganisation der Bevölkerung von zentraler Bedeutung und wird im Rahmen des Projektes gefördert. Außerdem erhalten die Selbsthilfegruppen, aber auch Einzelpersonen Unterstützung bei der Planung und Durchführung der Bauarbeiten. Der Kauf der Materialien wird durch vom Staat Cuba gewährte Kredite finanziert.

Wer sind die Partner des Werkhof e.V.?

Lokaler Partner ist CIDEM (Centro de Investigación y Desarollo de Estructuras y Materiales). CIDEM ist ein Institut für angewandte Forschung an der "Universidad Central de Las Villas" und auf die praktische Umsetzung im Bereich von ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Baustoffen spezialisiert. CIDEM wird das Vorhaben wissenschaftlich begleiten und die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies soll zu einer Verbreitung der Technologie auch in anderen lateinamerikanischen Ländern führen. So ist u.a. der Aufbau einer weiteren Produktionsstätte für Kalksandstein in Ecuador vorgesehen, die als erste unter den Bedingungen eines freien Marktes produzieren soll. CIDEM arbeitet seit fast 10 Jahren mit der NRO Grupo Sofonias zusammen an den technischen und wirtschaftlichen Grundlagen zur Herstellung alternativer Baustoffe. CIDEN wie auch Grupo Sofonias sind Teil des EcoSur-Netzwerkes, das nachhaltige Baumethoden propagiert und vor allem im sozialen Wohnungsbau aktiv ist. Die Auswahl der Begünstigten erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen CIDEM und den Stadtverwaltungen in Sagua la Grande und Caibarién. Die technische Betreuung des Projektes wird durch Experten der Grupo Sofonias und des Netzwerkes EcoSur/Ecuador übernommen.

Spenden für das Projekt

Auf unsere Spendenseite finden sie unsere Kontonummern und ein Spendenformular.
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