Kriterien der Projektarbeit

Folgende Thesen sind die Grundlagen und Kriterien für die Projektarbeit in Lateinamerika und Afrika. Sie lassen sich aber im weiten Teilen auch auf die Arbeit in Europa übertragen.

1. Wir leben in "Einer Welt"

Grundlage der Arbeitsweise des Werkhof e.V. ist die Sichtweise einer einzigen Welt mit gegenseitigen Beziehungen menschlicher Gesellschaften (ökonomisch, ökologisch, sozial, politisch, kulturell). Die wesentlichen Entscheidungen hinsichtlich z.B. Partizipation, materieller Verteilung, (technologischer) Entwicklung, Arbeitsplatzsicherung, Produktionsstandorten und vieles andere mehr werden hierbei zu einem ganz überwiegenden Teil in den industrialisierten, reichen Zentren getroffen. In diesen Zentren befinden sich in der Regel auch die Sitze international organisierter Konzerne sowie der entsprechenden Regulierungsinstitute des Weltmarktgeschehens. Diese Entscheidungen sind im wesentlichen von ökonomischen Gewinninteressen bestimmt.

2. Entwicklung setzt Umdenken voraus

Angesichts weltweit wachsender Ungleichheiten und einer ständig wachsenden und völlig ungelösten Verelendungsproblematik bei der Mehrheit der Menschheit, vorwiegend in den strukturschwachen Regionen, muß sich eine entwicklungspolitisch sinnvolle Arbeit hinsichtlich einer Veränderung dieser Verhältnisse vorwiegend an die (politische) Öffentlichkeit der nutznießenden reichen (Entscheidungs)zentren wenden. Ein Umdenkungsprozeß in den reichen Zentren ist gefragt, denn mit den weltweiten Problemen der Migration, Arbeitslosigkeit, Bedrohung von Demokratie und Menschenrechten, Hunger, Umweltzerstörung und kriegerischen Auseinandersetzung wird zwar viel Geld verdient, andererseits treffen jedoch die Auswirkungen mit unkalkulierbarem Risiko und mit immensen sozialen, ökonomischen, ökologischen und politischen Folgekosten (fast) ALLE. Die zentrale Frage lautet deshalb:
Wie müßte die gesellschaftliche "Entwicklung" hier in Europa aussehen, damit dieser Umdenkungsprozeß in Gang gesetzt wird?

3. Unterstützung für basisnahe Selbstorganisation

Die konkrete entwicklungspolitische Arbeit der vergleichsweise sehr kleinen NRO Werkhof e.V. trägt nur exemplarischen Charakter. Ein wesentliches Lern- und Arbeitsprinzip ist hierbei das Prinzip der gleichberechtigten und eigenverantwortlichen Selbstorganisation. D.h. daß sich sowohl Betroffene vor Ort in strukturschwachen Regionen selbst organisieren, als auch die "interkulturelle Kommunikation" mit dem Werkhof ("Verein zur Förderung der Selbsthilfe, gem.e.V.") nach diesem Prinzip stattfindet. In Eigenverantwortung sollen jeweils die eigenen politischen, ökonomischen und sozialen Interessen formuliert, gewahrt und durchgesetzt werden. Der Werkhof e.V. hat hierbei die Funktion als Mittler sowohl für eine Öffentlichkeitsarbeit in Europa, als auch als Unterstützer für konkrete Vorhaben der Selbstorganisation vor Ort. Dies geschieht wiederum oft in enger Kooperation mit anderen "basisnahen" Organisationen in Europa.

4. Kriterien für die Projektarbeit

Kriterien für die Projektarbeit sind darüber hinaus im einzelnen:

  • Unterstützung von (basis)demokratischen Strukturen.
  • Förderung von (internationalen) Kooperationsstrukturen basisorientierter NRO's bezüglich konkreter Vorhaben. Dies schließt die Zusammenarbeit mit Unterstützergruppen in Europa mit ein.
  • Materielle Unterstützung für Vorhaben in strukturschwachen Regionen kann nur zeitlich begrenzt und im wesentlichen in Eigenverantwortung vor Ort erfolgen. Deshalb muß die Nachhaltigkeit, d.h. das Überleben des Projekts nach Ende der Förderung, gesichert sein.
  • Materielle Transfers werden in der Regel nur als "Kredite" gewährt, die Rückzahlung erfolgt in sog. "Revolvierende Fonds" zugunsten anderer lokaler Vorhaben, nicht zuletzt, um lokale Lernprozesse hinsichtlich Kooperation und Selbstorganisation anzuregen.
  • Die materielle Beteiligung der Partnerorganisationen vor Ort ist Voraussetzung.
  • Besondere Berücksichtigung finden Aspekte, wie "Qualifizierung/berufl. Bildung", "Ökologie", "marginalisierte Bevölkerungsgruppen".

Diese Kriterien gelten sowohl für die Inlands- als auch für die Auslandsprojektarbeit. Die Projektarbeit wird jeweils von einer (entwicklungspolitischen) Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit begleitet.

5. Schwerpunkte der Projektarbeit

Schwerpunkte der Tätigkeit des Werkhofs sind derzeit (sowohl in Afrika und Lateinamerika, als auch in Darmstadt):

  • Bildung und Ausbildung für arbeitslose Jugendliche und Erwachsene
  • Weiterbildungsmaßnahmen für Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen
  • Förderung von (kooperativem) Kleingewerbe
    Kooperativen/Arbeitnehmerbetriebe/"selbstverwaltete" Betriebe)
  • Förderung ökologischer Landwirtschaft
  • Förderung von Umwelttechnologien (Energie, Baumaterialien)
  • Förderung von lokalen Radios und Medienprojekten

Daneben gibt es noch Vorhaben der Grundbedürfnisbefriedigung (Hausbau, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung).

6. Finanzierung

Die Finanzmittel für die Arbeit des Werkhofes kommen aus einer Vielzahl von Quellen. Im wesentlichen sind dies:
Europäische Union, Land Hessen, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Darmstadt, Arbeitsverwaltung, Stiftungen, Geldspenden, Sachspenden aus Betrieben (Maschinen), Auftragsarbeiten, ehrenamtliche Arbeit.