Projektbesuch bei CECIM in Ciudad Sandino

Gerade ist die psycho-soziale Schulung für weitere 80 Frauen angelaufen, die daran arbeiten, die innerfamiliäre Gewaltspirale zu durchbrechen. Zunächst mal sind sie sichtlich zufrieden, unter den Zugelassenen zu sein, denn die Warteliste wächst. Immer mehr Frauen kennen andere, die an einer der Schulungen der vergangenen Jahre teilgenommen haben und ihre Lebensverhältnisse positiv verändern konnten. Das motiviert viele Frauen, Ängste und Skepsis zu überwinden und sich diesem schwierigen Prozess zu stellen.

Esmirna kommt mit strahlenden Augen in die Runde: Früher dachte ich immer, in unserer Familie gibt es keine Gewalt. Mein Mann schlägt weder unsere beiden Kinder noch mich. Aber ich war häufig niedergeschlagen, habe mich zu Hause unwohl gefühlt und wusste nicht, warum.  Eine Nachbarin hat mir eines Tages von CECIM und diesen Seminaren erzählt und davon, dass es verbale Gewalt gibt, Missachtung, die uns verletzt und von den Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. In diesem Moment habe ich begriffen, dass ich etwas tun kann, um unser Leben zu  verbessern. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich es schaffen kann. So viele Frauen hier haben viel mehr Schwierigkeiten zu Hause als ich und spüren schon Verbesserungen, allein weil wir selbstbewusster auftreten, weil wir besser auf die Angriffe reagieren können. Das fühlt sich so gut an, unser Sohn verhält sich auch schon weniger aggressiv. Natürlich freue ich mich schon auf die Ausbildung im nächsten Jahr und darauf, dann regelmäßig mehr Geld zu verdienen als jetzt. Ich bügele zweimal in der Woche für eine Frau in der Nachbarschaft, das reicht nicht, denn auch mein Mann verdient wenig in der Fabrik in der Freihandelszone. Jetzt hoffen wir auf ein besseres Leben im nächsten Jahr. Auch unsere Tochter motiviert mich, sie macht im nächsten Jahr den Abschluss in der Primaria, würde gern weiter lernen, das geht aber nur, wenn wir etwas mehr Geld zur Verfügung haben. Sonst muss sie anfangen zu arbeiten und sie ist dann doch erst 12 Jahre alt.

Im ersten Stock des Schulungsgebäudes sitzen unterdessen die Frauen, die in dem 3 monatigen Kurs zur Führung eines Kleinstbetriebs betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse erlernen. Sie blicken stolz auf ein Jahr Schulung zurück und auf die Veränderungen, die sie  mit intensiver Unterstützung der Betreuerinnen bewirken konnten.  Lucelia berichtet von ihrem mühseligen Weg über die Erwachsenenbildung. Sie musste die Schule nach der 3. Klasse verlassen und hat im letzten Jahr den Abschluss der Primaria nachgeholt, hatte zuvor schon Konditorei bei CECIM gelernt und ihre Torten verkauft. Ihr Mann findet nicht regelmäßig Arbeit, es hat nie gereicht für eine Familie mit 3 Kindern. Da entluden sich die Spannungen manchmal  heftig. Der ältere Sohn ist mittlerweile erwachsen und versucht sein Glück wie viele andere in Costa Rica, Arbeitsplätze in Nicaragua sind rar. Lucelia hat viel gelernt und die Familie hat gut mitgemacht. Sie genießen diese neue Art des Zusammenseins und unterstützen sich gegenseitig. Voller Energie gibt Lucelia ihr neues Wissen des Korbflechtens an ihren Mann weiter. Gemeinsam wollen sie dann mit dem ersten Mikrokredit Ende des Jahres einen kleinen Familienbetrieb gründen. Neben den Torten werden dann bunte Körbe und Geschenkpackungen verkauft.

Größere Pläne haben die neun Frauen, die jetzt Hängematten herstellen können. Sie organisieren sich, um eine gemeinsame Werkstatt aufzubauen, in der auch einige ihrer Männer mitarbeiten wollen. Das Festzurren der starken Seile ist sehr anstrengend, da sind starke Arme willkommen. Vor allem motiviert die Chance, mit eigenem Einkommen die Familie unterhalten zu können, das ist für die Mehrheit der Bevölkerung noch immer keine Selbstverständlichkeit.