BMZ-Projekt für Nivaĉle im Unteren Pilcomayotal

Das Untere Pilcomayo-Gebiet gehört zum Kerngebiet der Nivaĉle; hier lebt heute in sechs Gemeinden (Fischat, San José Esteros, Media Luna, Pablo Stahl, Cacique Sapo und Novoctas) der größte Teil der indigenen Bevölkerung der gesamten Pilcomayo-Region. Es ist das Gebiet, in dem es während des Chaco-Krieges (1932-1935) zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen den Nivaĉle und dem entlang des Pilcomayo vordringenden bolivianischen Militär gekommen war, was einerseits zu Massakern ganzer Siedlungen aucasinosonline der Nivaĉle durch das Militär und andererseits zu indigenen Gegenangriffen unter dem legendären Führer Tofaai geführt hatte. In den folgenden Jahrzehnten setzte dann die Aneignung dieses für die Nivaĉle besonders wichtigen Teiles ihres Territoriums durch die Viehzüchter ein. Die Nivaĉle verloren dabei ihr gesamtes Land und wurden teilweise durch die Androhung von Gewalt dazu gezwungen, ihre alten Siedlungen aufzugeben. Später kaufte die katholische Kirche einige Grundstücke auf, die sie an Nivaĉle-Gemeinden übertrug. Doch dieses Land reicht für die traditionelle Lebensweise keineswegs aus. Eine der Gemeinden (Cacique Sapo) ist immer noch landlos, während drei andere Gemeinden sich das Land teilen müssen, das ursprünglich für eine einzige Gemeinde bestimmt war. Gleichzeitig ist das Land heute immer stärker von der teils legalen, teils illegalen Entwaldung durch nicht-indigene Gruppen bedroht. Dieser alte Kern des Nivaĉle-Landes und damit auch die Grundlage ihrer traditionellen Ernährung ist in der Substanz bedroht. Die kritische Situation der indigenen Bevölkerung wird noch dadurch gesteigert, dass der Pilcomayo seit den 1980er Jahren in seinem unteren Lauf kein Wasser mehr führt, was sich für die Bewohner in besonderem Maße negativ auswirkt.

Das vom lokalen Träger Tierra Libre jetzt im Unteren Pilcomayo-Gebiet umgesetzte Projekt zielt darauf ab, diesen für die Nivaĉle enorm wichtigen Teil ihres Lebensraumes zu schützen und langfristig weitgehend für die eigene Nutzung wiederzugewinnen. Ähnlich wie im vorangegangenen Projekt im Mittleren Pilcomayo, sind dazu 3 elementare Maßnahmen erforderlich: 1) die Stärkung der rechtlichen Konsolidierung von ausreichendem kommunalen Landbesitz; 2) die Stärkung der Initiativen zur Wiederherstellung der lebensräumlichen Existenz- und Ernährungsgrundlage durch größeren Zugang zu den biologischen und hydrischen Ressourcen; 3) die Stärkung der indigenen Organisationen durch deren Vernetzung. Das Projekt soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Nivaĉle diese Anstrengungen später aus eigener Kraft fortsetzen können.

Zwischenzeitlich ist das Projekt vor allem im Bereich der Verbesserung und Vernetzung der indigenen Organisationen vorangekommen. Es entstehen neue Kommissionen, um die Aktionen der Gemeinden wirkungsvoller zu machen, und es zeichnet sich ab, dass es in den nächsten Monaten zur Legalisierung des gemeinsamen „Comité Zonal Unterer Pilcomayo“ kommen wird. Darüber hinaus vernetzen sich die Gemeinden des Unteren Pilcomayo mit den bereits legalisierten Comités Zonales des Mittleren und Oberen Pilcomayo in allen Angelegenheiten, die den Schutz des gemeinsamen Lebensraumes und die Zukunft des Pilcomayo betreffen. Die Landforderungen werden erfasst. Infolge des Abschließens von Abkommen zwischen Tierra Libre und mehreren staatlichen Organisationen, die für diese Fragen relevant sind (darunter das Instituto Paraguayo del Indígena ‒ INDI und der Servicio Nacional de Catastro ‒ SNC), im Frühjahr dieses Jahres sind sehr gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterarbeit zur Landrückgewinnung geschaffen worden. Durch die Ausbildung in Workshops haben viele Gemeindemitglieder, besonders die Frauen durch ihre engagierte Teilnahme, ihre Kenntnisse über Landrechte und Methoden zum Schutz ihrer Lebensgrundlagen wesentlich verbessert.