Lebensraumsicherung der Nivaĉle im Unteren Pilcomayo-Gebiet

Das vom lokalen Träger Tierra Libre seit Mai 2014 im Unteren Pilcomayo-Gebiet realisierte Projekt zur langfristigen Absicherung des Lebensraumes der Nivaĉle macht weiterhin erkennbare Fortschritte. Infolge der außergewöhnlich starken Regenfälle seit Ende 2014 hatten sich Verzögerungen ergeben, die zu einer Verlängerung der Projektlaufzeit um 4 Monate führten. Das Projekt hat drei Schwerpunkte: 1) die Stärkung der Organisationen, 2) die Identifizierung und Planung von Landerweiterungen und 3) Verbesserungen im Bereich des Ressourcenschutzes und des Ressourcenzugangs für die 6 indigenen Gemeinden. Auf allen drei Ebenen sind bereits im aktuellen Stand der Projektumsetzung positive Ergebnisse erzielt worden. 

Der größte Teil sowohl der Ausbildungsarbeit durch Workshops und Übungen im Gelände als auch der kartographischen Erhebungen auf dem Lande zum Feststellen der Besitzverhältnisse und der zusätzlichen Ermittlungen in den öffentlichen Institutionen für das Voranbringen der Landrechtsfragen, konnte bereits erfolgreich abgeschlossen werden.

 

Insbesondere im Organisationsbereich hat das Projekt einen durchschlagenden Erfolg. So ist es nicht nur zur Vernetzung der kommunalen Organisationen auf der zonalen Ebene der 6 Gemeinden des Unteren Pilcomayo-Gebiets untereinander gekommen, sondern es sind von diesem Projekt auch entscheidende Impulse zu einer übergeordneten Vernetzung aller Gemeinden in der gesamten Pilcomayo-Region (d.h. des Unteren Pilcomayo-Gebiets mit dem Mittleren und dem Oberen Pilcomayo-Gebiet) ausgegangen. Voraussichtlich wird es noch innerhalb des Jahres 2015 zu dem seit langem von allen Nivaĉle erwarteten Treffen von Vertretern aller Gemeinden oder sogar direkt zu einer breiten Vollversammlung dieser Gemeinden mit dem Ziel kommen, eine neue gemeinsame Organisation ("Coordinadora del Pilcomayo") zu gründen, die die Interessen aller indigenen Gemeinden dieser Region wahrnimmt und auch deren angemessene Repräsentierung in den nationalen und internationalen Pilcomayo-Kommissionen durchsetzt. Tierra Libre geht davon aus, dass dadurch insbesondere die indigenen Anstrengungen zur Einrichtung und zum Erhalt von umfangreichen Naturschutzgebieten sowie auch zum Schutz der Wasserressourcen des Pilcomayo-Flusses bzw. der stärkeren Beteiligung der Nivaĉle-Bevölkerung an der Nutzung dieser Ressourcen erhebliche Schubkraft erhalten werden.

 

Auch auf der Ebene der Organisation der einzelnen Gemeinden hat es große Fortschritte gegeben. In der Gemeinde Lhavôj'ôcfi hat sich dies z.B. in der Gründung einer speziellen kommunalen "Kommission für das Management von Land und Waldressourcen" niedergeschlagen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Übergriffen nicht-indigener Akteure auf kommunales Land und deren Waldbestände ein Ende zu setzen. Hier geht es zunächst darum, illegale Landbesetzungen und das illegale Fällen wertvoller Bäume, insbesondere des Palo Santo zu unterbinden. Im zweiten Schritt erfolgt die kommunale Planung der Landerweiterung und im dritten Schritt dann die Abstimmung der Landrückgewinnung unter den Gemeinden auf der zonalen Ebene. Die Grundlagen für diese Planungen, darunter die Erstellung von Katasterkarten, die in Paraguay vom Staat selbst ohne öffentlichem Zugang hergestellt werden, die Feststellung des Raumbedarfs der 6 Nivaĉle-Gemeinden für die nächsten zwei Jahrzehnte bei gleichbleibender Bevölkerungswachstumsrate und die Abgrenzung des Lebensraumes im Unteren Pilcomayo, konnten im Wesentlichen abgeschlossen werden. Die Abkommen zwischen Tierra Libre einerseits und den beiden hierfür wichtigen staatlichen Organisationen, dem Instituto Paraguayo del Indígena ‒ INDI und dem Servicio Nacional de Catastro ‒ SNC anderseits, bildeten die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in diesen Landfragen.

 

Auch in der dritten Projektkomponente, die auf den Schutz der biologischen und Wasserressourcen abzielt, ist viel erreicht worden. Geplant ist die Errichtung eines "Patrimonio Natural-Cultural Nivaĉle-Manjui Pilcomayo". Darüber wird z.Zt. mit dem paraguayischen Umweltsekretariat (SEAM) verhandelt. Fortschritte beim Schutz der für die traditionelle Ernährungsbasis grundlegenden Vegetationsformationen und Feuchtgebiete werden von entscheidender Bedeutung für die Absicherung des Lebensraumes der Nivaĉle-Gemeinden in der Zukunft sein und könnten sich besonders für die Gemeinden im Unteren Pilcomayo-Gebiet positiv auswirken, da diese seit den 1980er Jahren vom Austrocknen des Pilcomayo in seinem unteren Lauf besonders betroffen sind.

Die verbleibende Projektlaufzeit wird vor allem zur Konsolidierung des bereits Erreichten genutzt werden, wodurch ein wichtiges Ziel des Projekts, die Sicherung der Nachhaltigkeit der Projektmaßnahmen, in greifbare Nähe rückt. Die Nivaĉle werden nach dem Abschluss des Projekts im Februar 2016 voraussichtlich in der Lage sein, mit den durch das Projekt geschaffenen Kompetenzen und Fähigkeiten selbständig wesentliche Teile ihres traditionellen Lebensraums langfristig wieder unter Kontrolle zu bringen und in die eigene Nutzung einzubeziehen.