Lebensraumsicherung der Nivaĉle und Manjui im Oberen Pilcomayo-Gebiet

Neuer Antrag ans BMZ ab 2016

Nach der erfolgreichen Durchführung der Projekte am Mittleren und - jetzt in der Abschlussphase - am Unteren Pilcomayo wollen auch die in 5 Dörfern verteilt lebenden Nivaĉle und Manjui am Oberen Pilcomayo den Prozess von Beratung und Schaffung der Grundlagen zur Erlangung ausreichenden Landes mit Unterstützung unseres Partners Tierra Libre durchlaufen. Auch hier werden die staatlich garantierten 100 ha je Familie als unveräußerliches Gemeindeland gefordert. Auf den bisher übertragenen Flächen fehlt der zum Fischen so wichtige Zugang zum Fluss, die Möglichkeiten zur Jagd sind zu sehr eingeschränkt. Im Ernährungskreislauf spielen Fisch und Fleisch eine wichtige Rolle, denn Früchte und Wurzeln lassen sich nur während einiger Monate im Jahr von wild wachsenden Pflanzen ernten und die zur Verfügung stehenden Flächen für landwirtschaftliche Nutzung sind bei weitem nicht ausreichend. Hinzu kommen die unregelmäßigen Regenfälle in dieser kargen Landschaft. Vor 2 Jahren fiel die komplette Ernte aus, leider kein Einzelfall. Auch dieses Jahr mussten die Menschen wieder mit Lebensmitteln aus staatlichen Reserven versorgt werden, weil wegen ungewöhnlich langer Trockenzeiten ein groß teil der Ernte vertrocknete. Um Bedingungen zu schaffen, die ein autonomes Leben zulassen, sind im neuen Projekt einige Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen, die vor allem Arbeitsmöglichkeiten im kunstgewerblichen Bereich sowie in der direkten Vermarktung fördern. Auch für die Nutztierhaltung sind bessere Bedingungen geplant. Damit können mehr Schafe gehalten werden, die vor allem für die Wolle für Winterbekleidung wie Ponchos sorgen. Handgefertigte Wollprodukte sollen auch gehandelt werden.

 

Hundert ha Land je Familie wirkt auf uns zunächst üppig, ist in der Trockensavanne des Chaco aber eher knapp bemessen. Wirkungsvoller werden diese jetzt anvisierten Teilgebiete, wenn zusammenhängende Siedlungsgebiete mit den Gemeinschaften am Mittleren und Unteren Pilcomayo geschaffen werden könnten, ein Fernziel, das die Menschen beschäftigt. Unter anderem auch dazu haben die bereits im Aufbau befindlichen Vernetzungen der 3 Siedlungsgebiete eine wichtige Funktion. Gemeinsam fordern sie von den jeweils zuständigen staatlichen Stellen die Bereitstellung fehlender Infrastruktur. Bisher beschränken sich die Einrichtungen auf einige rudimentäre Grundschulen und – bezogen auf den Oberen Pilcomayo ein einziges Gesundheitszentrum mit wenigen Stunden Sprechzeit. Die einzelnen Dörfer liegen jeweils zwischen 80 und 120 km voneinander entfernt. Busse verkehren einmal pro Woche, wenn es nicht gerade regnet und sich die Erdstraßen in unpassierbare Lehmpisten verwandeln. So verlassen sich die Menschen auf ihre traditionelle Medizin, die oft hilft. Aber nicht oft genug. Immer deutlicher fordern die Menschen erreichbare Gesundheitszentren. Von den ca. 4.000 Pilcomayo-Nivacle leben knapp 366 im oberen Bereich des Flusses neben 575 Manjui, die zur selben Sprachfamilie gehören und überwiegend in den beiden Gemeinden Manjui Pedro P. Pena und Santa Rosa leben. Heiraten zwischen beiden Ethnien sind nicht selten.

Aktuell wird der Projektantrag geprüft, wir können die Bewilligung zum 1.3.2016 erwarten. Für unseren Eigenanteil von 10 % freuen wir uns über jede Unterstützung.